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ESG und VSG: zwei Arten Sicherheitsglas

Sicherheitsglas ist kein einzelnes Material, sondern ein Sammelbegriff für zwei sehr verschiedene Bauweisen. Sie lernen, wie vorgespanntes und laminiertes Glas bricht, woran Sie beide erkennen und was nach einem Schaden zu tun ist, damit die Glaserei die richtige Scheibe bestellen kann.

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Rand einer Isolierglasscheibe mit Abstandhalter

Was Sicherheitsglas bedeutet

  1. Normales Floatglas bricht in große, spitze Stücke mit langen Kanten. Genau das soll Sicherheitsglas verhindern, und dafür gibt es zwei Wege. Der erste verändert das Glas selbst durch starkes Erhitzen und Abkühlen, der zweite verbindet mehrere Scheiben mit einer Zwischenschicht. Beide Wege führen zu unterschiedlichem Bruchverhalten und zu unterschiedlichen Einsatzorten.

  2. Die Abkürzungen stehen für Einscheiben-Sicherheitsglas und Verbund-Sicherheitsglas. Im Alltag begegnen sie Ihnen an Duschwänden, Glastüren, Balkonbrüstungen, Küchenrückwänden und in vielen Fenstern. Wer nicht weiß, welche Art vor ihm liegt, kann das am Bruchbild oder am Eckstempel erkennen und der Glaserei am Telefon nennen. Das spart bei einem Schaden Rückfragen und Zeit am Telefon.

  3. Für die Praxis ist wichtig: Sicherheitsglas ist sicherer im Bruch, nicht unzerbrechlich. Auch ESG und VSG können durch Schlag, Spannung oder einen Fehler im Material brechen. Nach einem solchen Schaden gelten dieselben Regeln wie bei jedem Glas: Stücke nicht aus dem Rahmen ziehen, Kinder fernhalten und den Rest der Fachkraft überlassen.

ESG zerfällt in kleine Krümel

  • Bei vorgespanntem Glas steht die Oberfläche unter Druck und der Kern unter Zug. Wird diese Spannung an einer Stelle gestört, löst sich die gesamte Scheibe schlagartig in viele kleine Krümel mit stumpfen Kanten auf. Das Verletzungsrisiko sinkt dadurch deutlich, doch eine Wolke aus Körnern liegt danach im Raum, auf Möbeln und in Fugen.

  • Ein ESG-Bruch kommt manchmal ohne erkennbaren Anlass. Winzige Einschlüsse aus Nickelsulfid im Glas können Jahre nach der Herstellung Spannung freisetzen, und die Scheibe zerfällt ohne Schlag von außen. Mehr dazu steht im Beitrag Spontanbruch bei vorgespanntem Glas. Auch ungleiche Erwärmung etwa durch Teilschatten oder einen Heizkörper unmittelbar davor kann zum Bruch führen.

  • Nach einem ESG-Bruch räumen Sie die Körner zuerst grob mit Handschuhen und Kehrschaufel zusammen und nehmen den Rest mit feuchtem Küchenpapier auf. Rechnen Sie damit, dass einzelne Krümel noch Tage später auftauchen. Beschriebene Handgriffe finden Sie in Scherben sicher aufsammeln. Das erleichtert die Absprache mit dem Betrieb und verhindert Missverständnisse beim Bestellen.

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VSG bleibt an der Folie hängen

Beim Verbund-Sicherheitsglas sitzt zwischen mindestens zwei Scheiben eine zähe Folie als Bindeschicht.

Geht eine Scheibe zu Bruch, haften die Stücke an der Folie, und das Gesamtbild bleibt als netzartige Fläche stehen. Dadurch fällt kaum etwas heraus, und die Öffnung bleibt zunächst geschlossen. Dieser Aufbau erklärt, warum ein Stein auf eine solche Scheibe Spuren hinterlässt, ohne sie zu öffnen.

Ein gesprungenes VSG wird ersetzt und nicht repariert. Die Risse reichen oft durch beide Scheiben, und die Folie allein ersetzt nicht die Festigkeit des Glases. Wer die Öffnung vorübergehend abdecken möchte, tut das von innen mit Folie oder Pappe auf dem Rahmen. Mehr zum Ablauf steht unter Notverglasung nach Glasbruch.

Erkennen und der Weg zur passenden Scheibe

  • Am sichersten erkennen Sie Sicherheitsglas an einem kleinen Stempel in einer Ecke der Scheibe. Er nennt oft die Glasart und weitere Angaben und lässt sich bei Tageslicht ablesen. Bei Isolierglas steht Wichtiges außerdem auf dem Abstandhalter im Scheibenzwischenraum, wie der Beitrag Aufdruck im Scheibenzwischenraum lesen zeigt.

  • Fotografieren Sie den Stempel, den Gesamtbruch und die Stelle, an der das Glas im Rahmen sitzt. Messen Sie nichts selbst aus, denn die Maße nimmt die Glaserei am Einbauort. Gut ist die Information, ob die Scheibe einfach oder doppelt verglast ist, wozu Einfachglas, Isolierglas, Dreifachglas hilft.

  • Wer ein Fenster nachträglich sicherer machen möchte, findet unter Sicherheitsglas nachrüsten die Möglichkeiten. Welche Glasart an welcher Stelle geeignet ist, klärt die Glaserei im Einzelfall, ohne dass Sie Normen kennen müssen. Wichtig ist nur, dass der Bruch beschrieben wird: Krümel oder Netz, Riss mit Folie oder lose Stücke.

Glasart festhalten

Nachgefragt

Warum ist mein Fenster in tausend Krümel zerfallen?

Das passiert bei vorgespanntem Glas, wenn die innere Spannung plötzlich frei wird. Ursache kann ein Schlag auf die Kante sein, eine ungleiche Erwärmung oder ein Einschluss im Material. Die Krümel haben stumpfe Kanten, sollten aber trotzdem nur mit Handschuhen angefasst werden.

Kann ich eine VSG-Scheibe mit Riss weiter benutzen?

Kurzfristig hält sie meist, weil die Folie die Stücke bindet. Dauerhaft ist sie jedoch geschwächt, und Feuchtigkeit kann am Rand in die Schichten eindringen. Belasten Sie sie nicht, beobachten Sie den Riss und lassen Sie die Scheibe ersetzen. Auch ein feiner Riss am Rand kann sich mit der Zeit bis zum anderen Rand ziehen, deshalb hilft es, ihn zu markieren und regelmäßig anzusehen.

Lässt sich Sicherheitsglas später zuschneiden?

Nein, vorgespanntes Glas darf nach der Herstellung nicht mehr bearbeitet werden, sonst zerfällt es. Auch Bohrungen und Ausschnitte müssen vorher feststehen. Bei VSG ist das Schneiden zwar technisch möglich, wird für Fenster aber im Werk erledigt. Das gilt für Duschwände und Glastüren ebenso wie für Brüstungen, weshalb Maße und Ausschnitte vor der Bestellung feststehen müssen.

Für Fenster, Türen und Schaufenster: anrufen.

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